Sagt nein, sagt nein!

18 Feb 2016

Man darf sich fragen, weshalb. Weshalb sich auch nach Jahrhunderten der Aufklärung, im Zeitalter des modernen Menschen, der Irrglaube hält, dass sich nationale Identität mit dem Blut übertrage wie Krankheiten. Hier und heute, wo Nationen längst nicht mehr das sind, was sie mal waren oder vorgaben zu sein. Wo sie sich doch weit über ihre geografischen Grenzen hinaus über undurchdringliche wirtschaftliche Verflechtungen konstituieren. Liebe Mitmenschen in Norwegen, Staatsangehörige aufgrund eurer phänomenalen Leistung: Geburt! Mitbürger denen bevorzugte Behandlung versprochen wird, die auf der Unterdrückung von anderen basiert, ihr wisst, was zu tun ist auch wenn es vorteilhaft erscheint oder sich gar für den Augenblick richtig anfühlt. Sagt nein. Sagt es mit kühlem Kopf! Nein sagen!

Sollen Frauen nicht länger wählen dürfen? Sollen Schwule und Lesben sich nicht länger lieben dürfen? Es gab eine Zeit, in der Juden die vollen Bürgerrechte vorenthalten waren. Es gab schon Türschilder, auf denen «Für Hunde und Ausländer verboten!» stand. Die Argumentation für die jeweilige Diskriminierung basierte immer auf biologistischen Sichtweisen, die sich mal hinter Religion, mal hinter Kultur oder Tradition versteckten. Für diejenigen, die davon profitierten, fühlte es sich gut an. So wurde das Wahlrecht für Frauen mit dem Argument bekämpft, dass das Bürgerrecht an die Wehrpflicht geknüpft sei, welcher natürlicherweise nur Männer unterstanden. Juden galten aufgrund ihrer Religion als nicht kompatibel. Schwule und Lesben werden zum Teil noch heute als widernatürlich angesehen, denn bereits der erbauer der Arche wusste, dass, wer den Fortbestand der Arten sichern will, Ente und Erpel mit nimmt und nicht Erpel und Erpel.

Dass Menschen und Enten sowieso nicht viel gemeinsam haben, wird bei dieser Gelegenheit großzügig übersehen. Was die Ausländer angeht, so stehen sie in der Wahrnehmung einiger tatsächlich den Vierbeinern näher als dem Menschen. Der Einwanderer als Haustier der großen norwegischen Nation? Der, egal wie stubenrein (integriert) er dann ist, trotzdem nicht mit am großen Tisch sitzen sollte. Inzwischen haben sich Einwanderer als wertvolle Mitmenschen etabliert! Doch oft setzt man Sie trotz beachtlicher Leistungen für Land und Leute an den Katzentisch der Gesellschaft.

Die Gründe scheinen klar: Anstatt mit Messer und Gabel zu Essen, stechen Einwanderer damit ihre Sitznachbarn ab. Das Heimtückische an biologistischen Konstrukten ist, dass sie im Rückblick willkürlich, ja geradezu absurd, in ihrer aktuellen Ausformung aber vollkommen nachvollziehbar erscheinen. Sie fühlen sich richtig an. So erscheint es in diesen Tagen einigen unter uns offenbar ganz natürlich, dass es zwei verschiedene Rechtssysteme für „Eingeborene“ und „Einwanderer“ geben müsse.

Abstammung sollte doch bitteschön noch für etwas nützlich sein, und sei es nur für die bevorzugte Behandlung bei Sozialleistungen, die man eigentlich nur deshalb beantrage, um sich doch mal wieder als richtiger Norweger zu fühlen.

Jedem Schulkind ist sie zu eigen und letztlich können auch wir durch Nachdenken zu der Gewissheit kommen, dass jeder Mensch natürlicherweise Angehöriger jener Gesellschaft, also auch jenes Landes ist, in dem er lebt. Und es ist selbstverständlich, dass er sich dort einzubringen hat. Eine Zuteilung durch Abstammung bleibt immer Unsinn, bleibt immer ungerecht gegenüber den Menschen. Sagt nein!

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