Derrick und Trump

05 Dec 2016

Hier im Norden, genauer gesagt in Norwegen kann man wochentags ab 17.00 Uhr und als Widerholung am darauffolgenden Tag um 10.00 Uhr Derrick gucken. Man bekommt die wunderbare Welt der 80-ger im Vorabendprogramm serviert und es ist einfach nur schön. Zuerst die Tat, dann die Ermittlung bis halb sechs, dann nochmal eine Wendung oder eine Hinzunahme neuer zuvor nicht berücksichtigter Fakten, um dreivirtel der Showdown und kurz vor 18.00 Uhr dann Reue, Geständnis und Festnahme. Der Plot ist schlicht und dennoch macht sich eine anheimelnde Wärme in mir breit und ich möchte die Jahre zurück in denen die D-Mark schwer und das Leben leicht war. Ein einfacher Geselle, ja selbst ein Arbeiter am Fließband konnte einen Mittelklassewagen fahren, eine Familie ernähren und in den Urlaub fahren. Wer Singel war hatte ein Apartment mit moderner Stereoanlage und man konnte Gold oder Zobel tragen, wenn man denn wollte. Die Kneipen waren immer voll und die Nutten mussten sich nicht langweilen.

Natürlich wünscht man sich sofort in diese Zeit zurück, denn abgesehen von einigen unverbesserlichen Berufsidioten in der Politik, weiss jeder, das Europa gescheitert ist und der Wohlstand Vergangenheit. Gestern abend meinte die Truppen-Ursel, der Euro hätte doch allen Wohlstand gebracht und ich fühlte mich wieder einmal an die DDR-Volkskammer erinnert und machte das was ich auch schon zu dieser Zeit machte ich schaltete den Fernseher ab und ging zu Bett um zu träumen, von Derrick, von den Nutten, und der Musik von Jean-Michel Jarre. Und ich dachte, eigentlich kann man doch froh sein, über Trump. Und eigentlich sollte man sich doch auch für Deutschland einen Mann wie Trump wünschen können.

Ich verstand nicht, weshalb soviele gegen Trump wetterten, sie hatten doch ebenfalls keine Ahnung was kommen würde. Die einheitliche europäische Anti-Trump-Linie machte mich jedoch misstrauisch. Von derart vielen Bekloppten, die das in den Medien Gebotene scheinbar unreflektiert nachäfften, jedenfalls hätte die DDR-Führung nur träumen können. Und ich fragte mich, was falsch daran sei, sich die guten Zeiten zurückwünschen zu wollen. Die Welt ist in Aufruhr oder in Teilen ganz und gar verrückt geworden. Das Volk teilt die Einschätzung nicht, das der Euro Wohlstand gebracht hätte. Es empfindet sich ausgeliefert an eine ignorante, abgehobene Machtelite die die Lebenswirklichkeit der Menschen nicht mehr versteht. Ich erinnere mich noch gut als ich in Deutschland hundertjährige Flußkohlen aus der Elbe sammelte, wärend Merkel verkündete, das der Staat für Hartz-IV-Empfänger ja die Heizkosten übernähme, sodass alle gut durch den Winter kämen. Dem war nicht so. Dies war übrigens mein letzter Winter in Deutschland, denn wir, ich mit meiner Frau und zwei Kindern, waren dabei ins Mittelalter zurück zu fallen, wärend Merkel verkündete es ginge den Deutschen noch nie so gut wie heute. “Der Letzte macht das Licht aus.” dachten wir jedenfalls wieder einmal.

50 Millionen Amerikaner leben in Armut. Viele von Ihnen haben Trump gewählt und ich hätte es auch getan. Denn er hatte versprochen die gute alte Zeit wieder zurückzubringen, jeder sollte wieder eine Chance haben. Das ist auf jedenfall eine Möglichkeit dem Volk Hoffnung zu geben. Eine Hoffnung, dass es einen Weg aus dem Elend geben würde. Und es ist nicht nur der “wütende weiße Mann”, der Trump zum Sieg verhalf. Viele andere waren wütend und gingen in die Wahllokale.

Und wieder lagen die Auguren falsch. Meinungsmacher waren ihr Geld nicht wert. Wie schon beim EU-Austritt in UK hatte man einfach nicht damit gerechnet, dass das Volk sich zu Wort melden könnte. Doch es tat es. Und es ging den Meisten nicht einmal um ökonomische, materielle oder politische Werte. Auch möchte man meinen es läge in Deutschland an der Einstellung oder dem Bildungsniveau. Doch das ist nicht der Fall. Die meisten Pegida-Anhänger sind Kinder der DDR und haben damit eine beachtliche politische Bildung durchlaufen. Auch sind AfD-Anhänger keinesfalls dämlich per se.

In den USA zum Beispiel ist die Arbeiterklasse konservativ. Und es gibt sicher auch in Europa Gegenden in denen die rechtspopulistischen Parteien von ungebildeten Bevölkerungsteilen provitieren. Doch in allen Ländern in Europa, wie auch in den USA sind es Arbeitslose und schlecht bezahlte Arbeiter, die sich gegen die Machtelieten organisieren und sich diesen entgegenstellen. Es waren gut ausgebildete ostdeutsche Facharbeiter, die nie eine Chance hatten im Westsystem, weil man es einfach nicht wollte. Selbst westdeutschen Türken war es einfacher Karriere zu machen! Es sind soziale Unruhen aber auch soziokulturelle ‘! Eine Erkenntnis, die die schockierte politische Klasse in UK machte, nachdem die Britten sich aus der EU wählten, war das man sein Volk nicht mehr gut genug verstand, das der Abstand zwischen Volk und Führung zu groß geworden war. So war es auch in der DDR.

Es geht den Menschen nicht darum ob die AfD eine echte Alternative für die Bevölkerung zu bieten hat und darum ging es auch nicht bei den Wählern die sich für Trump entschieden. Es geht um einen kräftigen Schlag in die Fresse der politisch und sozial Etablierten. Und genau deshalb hätte auch ich mich für Trump entschieden. Die Republikaner haben sich die Mehrheit im Kongress gesichert und so wird Donald Trump alle Möglichkeiten haben seine Ziele zu erreichen: Die USA zu alter Stärke verhelfen, Unterschiede ausgleichen, dem Volk Arbeit und Zuversicht geben. Schon damit hätte er mehr erreicht als viele Präsitenten vor ihm. Es wäre ihm und dem amerikanischem Volk zu wünschen, denn es bleibt die Befürchtung Trump könne sein Land national und international in die falsche Richtung führen.

Auch wir werden wählen. Bei den Bundestagswahlen 2017 wird die Stimme eines ostdeutschen Arbeitslosen genauso viel wert sein wie die eines westdeutschen Konzernchefs! Die Verantwortung für den Wahlausgang liegt nicht bei den AfD-Wählern oder bei Pegida. Sie liegt dort so wenig, wie sie bei den Trumpwählern lag. Sie liegt bei den Europäischen Machtelieten, bei den Sozialdemokraten in Deutschland, die sich mal fragen sollten weshalb sie eigentlich keine Rolle mehr spielen in der Politik und von vielen zum Teil zu recht als Verräterpartei beschimpft wird. Denn sie hat die politischen und soziokulturellen Interessen der Arbeiter verraten seit dem sie besteht und sie tut es noch. Und ausgerechnet jetzt soll der Eurokrat - Schulz - helfen? Offene EU-Außengrenzen, Euro, sozialer Ausgleich. Ihr habt Scheiße gebaut! Gebt es offen zu, auch in den Medien. Das Volk ist längst nicht so dumm wie ihr es manchmal gerne hättet. Und verabschiedet euch von eurer arroganten Ignoranz!

Dann kann ich wieder in Ruhe Derrick gucken und träumen, von der guten alten Zeit.

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